Es gibt Worte, die wir im Laufe der Zeit voneinander getrennt haben, obwohl sie ursprünglich niemals getrennt waren. Gesundheit ist eines davon. Natur ein anderes.
Wir sprechen von Gesundheit, als wäre sie ein Zustand unseres Körpers, den wir mit ausreichend Bewegung, einer ausgewogenen Ernährung oder den richtigen therapeutischen Maßnahmen erreichen könnten. Gleichzeitig sprechen wir von der Natur, als wäre sie ein Ort außerhalb unseres Lebens – ein Wald, den wir am Wochenende besuchen, ein See, an dem wir Urlaub machen, oder eine Landschaft, die wir aus dem Autofenster betrachten. Doch vielleicht liegt genau hierin einer der größten Irrtümer unserer Zeit: Wir haben vergessen, dass Gesundheit und Naturverbundenheit keine zwei verschiedenen Wirklichkeiten beschreiben, sondern zwei unterschiedliche Ausdrucksformen derselben Wahrheit
Denn der Mensch lebt nicht in der Natur.
Er ist Natur.
Diese Erkenntnis mag auf den ersten Blick selbstverständlich erscheinen und dennoch hat sie weitreichendere Konsequenzen, als wir gewöhnlich ahnen. Denn sobald wir begreifen, dass unser gesamtes Wesen nichts anderes als ein Ausdruck jener schöpferischen Kräfte ist, die seit Milliarden von Jahren Wälder wachsen, Flüsse fließen und Sterne entstehen lassen, verändert sich unser Blick auf Krankheit ebenso wie auf Gesundheit grundlegend.
Nicht wir stehen der Natur gegenüber.
Wir sind eines ihrer Gesichter.
Die Entfremdung des Menschen von der Natur
Kaum eine Epoche hat den Menschen so sehr von seinen natürlichen Wurzeln entfernt wie die unsere. Noch nie zuvor verbrachten wir einen so großen Teil unseres Lebens in künstlich erschaffenen Räumen, unter konstantem elektrischem Licht, umgeben von Geräuschquellen, Maschinen und einem nahezu ununterbrochenen Strom an Informationen. Unsere Füße berühren kaum noch den Erdboden. Unsere Augen ruhen häufiger auf Bildschirmen als auf Blättern von Bäumen oder den Linien eines Horizonts. Wir kennen den Wetterbericht besser als das Wetter selbst und orientieren uns an Kalendern, Uhren und Terminen, während die Sprache der Jahreszeiten immer leiser wird.
Dabei hat sich eines nicht verändert:
Unser Körper.
Er trägt noch immer die Handschrift jener langen Evolution, die sich nicht zwischen Beton und rechten Winkeln vollzogen hat, sondern unter dem Blätterdach uralter Wälder, an Flussufern, auf weiten Graslandschaften und unter einem Himmel und den Gezeiten, deren Wandel den Rhythmus allen Lebens bestimmte.
Jede Zelle unseres Körpers erinnert sich an diese Herkunft.
Unser Blut trägt noch immer die mineralische Signatur der Meere, aus denen das Leben einst hervorging. Unser Herz schlägt in Rhythmen, die den Wellen gleichen. Unsere Hormone tanzen im Wechsel von Licht und Dunkelheit. Unser Nervensystem lauscht auf Vogelstimmen anders als auf Verkehrslärm. Unsere Lungen wurden geschaffen, um klare Waldluft einzuatmen, nicht den Staub permanenter Beschleunigung.
Wir mögen uns kulturell weit entwickelt haben.
Biologisch sind wir noch immer Kinder der Natur.
Die Entfremdung des Menschen ist nicht nur biologisch, sondern auch gesamtgesellschaftlich schon lange zu beobachten und zeigt sich immer wieder in der gestörten und destruktiven Beziehung zwischen Mensch und Natur.
Viktor Schauberger beschrieb diese bereits bald einem Jahrhundert zuvor in seinem Buch „Unsere sinnlose Arbeit“ (1933)
„Immer mehr macht sich in unserer Zeit die Sehnsucht nach der Natur bemerkbar.
Dieser Drang nach Natur, die stark, ruhig und gesund ist, ist die notwendige Erscheinung der heutigen Zeit, das Gegengewicht zu einer anorganischen Zivilisation, die wir irrtümlicher Weise als Kultur bezeichnen.
Diese Zivilisation ist ein Werk des Menschen, der selbstherrlicher, ohne Rücksichtnahme auf das wirklich Geschehen in der Natur eine sinn- und fundamentlose Welt aufgebaut hat, die ihn, der doch Herr sein sollte, nun zu vernichten droht, weil er durch seine Handlungen und seine Arbeit den in der Natur waltenden Sinn der Einheit gestört hat.
Wenn wir heute hilf- und ratlos vor unseren Schöpfungen stehen und immer mehr erkennen müssen, daß unsere sogenannte Arbeit mit all ihren Sorgen nur der Selbstzerstörung dient, sich nach keiner Richtung hin ein Schimmer einer Besserung zeigt und wir hoffnungslos einer düsteren Zukunft entgegentreiben, dann wird es auch verständlich, daß sich immer mehr Menschen finden, die, angeekelt von diesem sinnlosen Tun und Treiben, die Wege suchen, die sie zurückführen zur Allmutter Natur.
[…]
Diese in der Natur waltende, in ihrer Größe und Einheitlichkeit einzig dastehende Gesetzmäßigkeit, die sich in jedem lebendigen Geschöpfe und in jedem Organismus offenbart, ist das Gesetz des ewigen Kreislaufes, der in jedem Organismus an eine bestimmte Zeitspanne und an eine bestimmte Geschwindigkeit gebunden ist.“
Natürliche Rhythmen und Gesundheit
Wer aufmerksam beobachtet, erkennt, dass sich das Leben niemals geradlinig entfaltet.
Es pulsiert.
Es schwingt.
Es kehrt zurück.
Tag und Nacht lösen einander ab. Ebbe folgt auf Flut. Der Mond wächst und schwindet. Der Frühling gebiert, der Sommer entfaltet, der Herbst verwandelt und der Winter sammelt jene Kräfte, aus denen später neues Leben erwächst.
Im Alten China hat man diese großen Grundprinzipien und ewig wandelnden Gegensätze aller Natur durch Yin und Yang erfasst. Hell und Dunkel, hoch und tief, heiß und kalt, Energie und Materie, gebendes und empfangendes Prinzip, u.v.m. Keines von beiden kann alleine bestehen, keines von beiden währt ewig, sondern wandelt sich immer wieder zu anderen.
Nichts in der Natur kennt das Ideal permanenter Höchstleistung.
Kein Baum versucht, das ganze Jahr hindurch Früchte zu tragen. Keine Blüte schämt sich dafür, im Herbst zu welken. Kein Fluss verurteilt seine ruhigen Abschnitte, weil sie langsamer fließen.
Nur der Mensch scheint zu glauben, ununterbrochen produktiv, leistungsfähig und verfügbar sein zu müssen.
Vielleicht ist genau dies eine der tiefsten Ursachen unserer Erschöpfung.
Nicht weil wir zu wenig Gesundheit besitzen.
Sondern weil wir verlernt haben, im Rhythmus des Lebens zu leben.
Gesundheit entsteht aus Beziehung und Verbundenheit
Ein Ökosystem wie beispielsweise ein Wald lebt von den großen Individuen wie Bäumen wie auch den Tieren und Pflanzen am Boden und zugleich von den kleinsten Wesen wie Pilzen und Mikroorganismen im Erdreich.
Parameter wie Temperatur, Feuchtigkeit, Nährstoffe und Mineralien werden in diesem Gefüge in unzähligen ineinander verzahnten Kreisläufen reguliert und bilden ein vollkommenes Netzwerk.
Synonym verhält es sich im menschlichen Organismus.
Milliarden von Mikroorganismen bilden gemeinsam mit uns ein lebendiges Ganzes. Kein Organ arbeitet isoliert. Herz und Gehirn führen einen ununterbrochenen Dialog. Hormone erzählen jeder Zelle, welche Jahreszeit gerade im Inneren unseres Organismus herrscht. Gedanken verändern den Muskeltonus, Gefühle beeinflussen die Verdauung, Erinnerungen formen unsere Atmung, Hoffnung stärkt bisweilen sogar jene Kräfte, die wir heute als Immunsystem bezeichnen.
Gesundheit ist deshalb keine Eigenschaft einzelner Organe.
Gesundheit ist das harmonische Zusammenklingen aller Beziehungen, die unser Leben tragen.
Und genau dieselbe Harmonie finden wir in der Natur wieder.
Die fünf Elemente – der Mensch als Spiegel der Natur
Wenn wir beginnen, die Natur nicht mehr als etwas Äußerliches zu betrachten, sondern als lebendige Ordnung, die auch in uns selbst wirkt, eröffnet sich eine völlig neue Perspektive auf Gesundheit.
Genau diese Sichtweise ist essentiell bei der Traditionellen Chinesischen Medizin. Die Welt und der Mensch werden hier nicht als isolierte Wesen betrachtet, dessen Körper wie eine Maschine unabhängig von seiner Umwelt funktioniert. Vielmehr ist er eingebettet in dieselben Wandlungsprozesse, die den gesamten Kosmos durchdringen.
Der Mensch ist ein Mikrokosmos.
In ihm spiegeln sich die großen Bewegungen des Lebens.
Die fünf Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser beschreiben dabei nicht lediglich fünf Stoffe oder materielle Bestandteile, sondern fünf grundlegende Qualitäten und Bewegungsrichtungen der Natur. Sie zeigen, wie Leben entsteht, sich entfaltet, reift, verwandelt und schließlich wieder zur Ruhe zurückkehrt.
Wer die fünf Elemente betrachtet, betrachtet deshalb nicht nur ein altes medizinisches Modell.
Er betrachtet einen ganzen Naturkosmos des Menschen.
Denn dieselben Kräfte, die im Wandel der Jahreszeiten sichtbar werden, wirken auch in unserer Persönlichkeit, unserem Körper, unseren Emotionen und unserem gesamten Lebensweg.
Das Holz entspricht dem Frühling – jener Kraft, die aus der Tiefe hervorbricht, wachsen möchte und nach Entfaltung strebt. Es steht für Vision, Bewegung, Entwicklung, Freiheit, Kreativität und die Fähigkeit, neue Wege zu beschreiten.
Das Feuer entspricht dem Sommer – der Zeit der Öffnung und Verbindung mit der Welt, der Begegnung, Leidenschaft, Ekstase und der Freude. Es verbindet uns mit unserem Herzen, unserer inneren Führung im Sinne des Dao.
Die Erde entspricht der nährenden Mitte. Sie nährt uns, schenkt Stabilität, Fürsorge und die Fähigkeit, Leben zu erhalten und zu verwandeln. Alle Prozesse des Gebens und Nehmens sowie die damit verbundene Dankbarkeit sind in ihr verankert.
Das Metall entspricht dem Herbst – jener Phase, in der wir erkennen, was wesentlich ist, und lernen dürfen, Überflüssiges loszulassen. Klarheit, Ordnung und Loslassen zählen hierzu. Alles Leben kehrt nach innen und es kristallisiert sich das Wertvollste heraus.
Das Wasser schließlich entspricht dem Winter, der Tiefe, Mystik, der Ruhe und der Sammlung jener ursprünglichen Kraft, aus der neues Leben entstehen kann. Es ist das Alpha und Omega. Aus ihm entspringt das Vertrauen zum Leben selbst.
Keine dieser Bewegungen ist wichtiger als die andere so wie auch keine Jahreszeit für sich allein bestehen kann, ohne die Ökosysteme bald in Verderb zu führen.
Und genau darin liegt eine wichtige Erkenntnis für unsere Gesundheit:
Wir werden nicht gesund, indem wir einen einzigen Zustand festhalten.
Wir werden gesund, indem wir lernen, mit den natürlichen Wandlungen des Lebens in Einklang zu sein.
Gesundheit ist gelebte Natur.
Sie entsteht dort, wo wir aufhören, gegen uns selbst zu leben.
Wer seine Natur kennt, muss sich nicht ständig optimieren.
Gesundheit und Verbundenheit mit der Natur sind deshalb nicht zwei verschiedene Ziele.
Sie sind ein und derselbe Weg.
Denn jedes Lebewesen wird dort gesund, wo es seiner Natur entspricht.
Und der Mensch bildet dabei keine Ausnahme.
Die menschliche Natur wiedererkennen
Die menschliche Natur umfasst weit mehr als unseren Körper.
Wenn wir von Natur sprechen, denken viele zunächst an biologische Prozesse.
Doch die menschliche Natur reicht weit darüber hinaus.
Zu unserer Natur gehört es, zu staunen.
Zu lieben.
Gemeinschaft zu suchen.
Uns kreativ auszudrücken.
Sinn finden zu wollen.
Schönheit wahrzunehmen.
Verantwortung zu übernehmen.
Freude zu empfinden.
Diese Fähigkeiten sind kein Luxus.
Sie sind Grundbedürfnisse unseres Menschseins.
Vielleicht fühlen sich deshalb viele Menschen trotz materiellen Wohlstands innerlich erschöpft.
Nicht, weil ihnen etwas fehlt.
Sondern weil wesentliche Teile ihrer Natur keinen Raum mehr finden.
Eine Gesellschaft kann körperlich gut versorgt sein und dennoch an einem Mangel an Sinn, Verbundenheit und Lebendigkeit leiden.
Menschliche Gesundheit beginnt deshalb nicht erst auf der Ebene des Körpers.
Sie beginnt dort, wo der Mensch wieder als Ganzes verstanden wird.
Als körperliches, geistiges und seelisches Wesen.
Genau diese Ganzheitlichkeit bildet seit Jahrtausenden das Fundament der Traditionellen Chinesischen Medizin.
Und vielleicht liegt gerade darin ihre zeitlose Aktualität.
Gesundheit als Weg der Selbstverantwortung
Wenn Gesundheit und die eigene Natur untrennbar verbunden sind, verändert sich auch unser Verständnis von Heilung.
Wir werden nicht länger ausschließlich zu Empfängern äußerer Lösungen.
Wir erkennen wieder unsere eigene Beteiligung.
Das bedeutet nicht, dass medizinische Hilfe überflüssig wäre oder dass jeder Mensch allein für seine Gesundheit verantwortlich gemacht werden sollte. Der menschliche Körper ist komplex, und es gibt Situationen, in denen Unterstützung von außen wertvoll und notwendig ist.
Doch ebenso wichtig ist die Erkenntnis, dass Gesundheit immer auch mit unserer eigenen Lebensführung verbunden ist.
Mit unserem Umgang mit uns selbst.
Mit unserer Ernährung.
Mit unseren Gedanken.
Mit unseren Beziehungen.
Mit unserer Fähigkeit, Freude und Sinn zu erfahren.
Mit unserer Verbindung zur Welt.
Selbstverantwortung bedeutet dabei nicht Schuld.
Sie bedeutet Kraft.
Denn ein Mensch, der erkennt, dass er Einfluss auf sein eigenes Leben nehmen kann, gewinnt etwas zurück, das in unserer Zeit oft verloren gegangen ist:
Seine innere Schöpferkraft.
Vielleicht ist genau dies die wichtigste Medizin, die wir als Menschheit wiederentdecken dürfen.
Nicht die Vorstellung, alles kontrollieren zu können.
Sondern die Fähigkeit, bewusst mit den Kräften des Lebens zusammenzuarbeiten.
Die Wiederanbindung an die Natur bedeutet deshalb nicht nur, wieder mehr Zeit im Grünen zu verbringen.
Sie bedeutet, sich an die eigene menschliche Natur wieder zu erinnern und sie zu verstehen.
Zu erkennen, welche Lebensweise unserem Wesen entspricht.
Und vor allem welche Ausrichtung uns in Einklang mit dem Leben bringt.
Genau diesem Weg widmet sich mein Buch „Der Mensch in Wandlung – Unser Naturkosmos der fünf Elemente“. Es betrachtet den Menschen nicht als getrenntes Individuum, sondern als lebendigen Ausdruck eines größeren Naturzusammenhangs. Mithilfe der Weisheit der Traditionellen Chinesischen Medizin, der fünf Elemente und der natürlichen Wandlungsprozesse von Körper und Psyche, die sich durch unsere Organe ausdrücken, eröffnet es eine Perspektive darauf, was es bedeuten kann, wieder ganz Mensch zu werden.
Denn die größte Aufgabe unserer Zeit ist nicht, den Menschen weiter von der Natur unabhängig zu machen, sondern darin, ihn wieder an jene Natur anzubinden, die immer in ihm gegenwärtig war.
Der Mensch als Vermittler zwischen Himmel und Erde
Eine der tiefsten Vorstellungen vieler alter Weisheitstraditionen ist, dass der Mensch eine besondere Stellung innerhalb der Schöpfung einnimmt.
Nicht, weil er über allem anderen steht.
Sondern weil er als einziges Wesen in besonderem Maße bewusst wahrnehmen und gestalten kann.
Der Mensch ist weder Herrscher über die Natur noch ihr unbedeutender Zuschauer.
Der Mensch verbindet Himmel und Erde.
Er steht mit seinen Füßen auf der Erde, trägt aber zugleich die Fähigkeit in sich, über das unmittelbar Materielle hinauszublicken. Er kann sich fragen, woher er kommt, welchen Sinn sein Leben besitzt und welche Wirkung sein Handeln auf das große Ganze hat.
Diese Fähigkeit ist zugleich Geschenk und Verantwortung.
Denn Bewusstsein allein genügt nicht.
Es kommt darauf an, in welchem Bewusstsein wir handeln.
Jede menschliche Handlung ist eine Form von Schöpfung. Jeder Gedanke, jede Entscheidung, jede Beziehung und jede Lebensweise trägt eine bestimmte Qualität in die Welt und verändert nicht nur unser persönliches Leben, sondern auch das größere Umfeld, dessen Teil wir sind.
Jede innere Wandlung trägt das Potenzial einer äußeren Wandlung in sich.
Von der persönlichen Wandlung zur Wandlung der Menschheit
Vielleicht unterschätzen wir noch immer, welche Kraft im einzelnen Menschen liegt.
Wir betrachten häufig die großen Probleme dieser Welt und fühlen uns ihnen gegenüber machtlos. Doch jede gesellschaftliche Veränderung beginnt mit Menschen, die anders denken, anders fühlen und anders handeln.
Die Heilung der Welt beginnt nicht außerhalb des Menschen.
Sie beginnt in ihm.
Denn die äußeren Konflikte der Menschheit sind letztlich auch Spiegel ihrer inneren Zustände.
Eine Menschheit, die innerlich zerrissen ist, erschafft eine zerrissene Welt.
Nahezu alle äußeren Krisen spiegeln letztlich innere Zustände wider. Eine Menschheit, die den Bezug zu ihrer eigenen Natur verliert, erschafft eine Welt, die zunehmend von Entfremdung geprägt ist.
Eine Menschheit, die wiederum in Verbindung mit ihrer eigenen Natur tritt, kann eine Welt gestalten, die dieser Verbindung entspricht.
Wir erschaffen ständig.
Die Frage ist nur:
Erschaffen wir im Einklang mit der Ordnung des Lebens?
Oder entfernen wir uns immer weiter von ihr?
Die Rückkehr zur Natur bedeutet deshalb nicht eine Rückkehr in eine vergangene Zeit. Sie bedeutet nicht, moderne Entwicklungen abzulehnen oder den Menschen zurück in einen ursprünglichen Zustand zu versetzen.
Vielmehr geht es darum, die menschliche Entwicklung wieder mit ihrer eigenen Grundlage zu verbinden. Die größte Wandlung geschieht nicht dadurch, dass der Mensch weniger Mensch wird.
Sondern dadurch, dass er wieder vollständiger Mensch wird.
Die Freude, wieder Mensch zu sein
Bei aller Ernsthaftigkeit der Herausforderungen unserer Zeit darf eines nicht vergessen werden:
Der Weg zurück zur Natur ist kein Weg der Schwere.
Er ist ein Weg der Freude.
Denn die Natur selbst ist Ausdruck von Fülle.
Sie verschwendet ihre Schönheit nicht.
Eine Blüte fragt nicht, ob sie wertvoll genug ist, bevor sie sich öffnet. Ein Vogel singt nicht erst, wenn ihm jemand bestätigt hat, dass sein Lied vollkommen ist. Ein Baum wächst nicht aus Angst vor dem Ende, sondern weil Wachstum seinem Wesen entspricht.
Auch der Mensch trägt diese ursprüngliche Lebensfreude in sich.
Vielleicht ist sie nur überlagert von Sorgen, Ängsten, Gewohnheiten und einer Lebensweise, die uns immer weiter von unserem natürlichen Empfinden entfernt.
Doch sie ist nicht verschwunden.
Sie wartet darauf, wieder entdeckt zu werden.
Und vielleicht ist genau diese Freude einer der wichtigsten Schlüssel zur Heilung.
Nicht die Freude als oberflächlicher Genuss.
Sondern jene tiefe Freude, die entsteht, wenn wir spüren:
Ich bin Teil dieses Lebens.
Ich gehöre hierher.
Ich bin verbunden.
Gesundheit und Verbundenheit mit der Natur sind ein und dasselbe
Letztlich führt alles zu dieser einfachen und zugleich tiefgreifenden Erkenntnis zurück:
Gesundheit und Verbundenheit mit der Natur sind keine getrennten Wege.
Sie sind ein und derselbe Weg.
Denn die Natur, nach der wir uns sehnen, ist nicht nur der Wald vor unserer Tür, nicht nur die Landschaft um uns herum und nicht nur die Erde, auf der wir leben.
Sie ist auch die lebendige Ordnung in uns selbst.
Sie ist unsere menschliche Natur.
Unsere Fähigkeit zu lieben.
Unsere Fähigkeit zu schöpfen.
Unsere Fähigkeit, bewusst zu handeln.
Unsere Fähigkeit, in Harmonie mit dem großen Ganzen zu leben.
Vielleicht werden wir uns eines Tages noch wundern, was wahre Gesundheit und das Leben aus der eigenen Kraft heraus tatsächlich bedeuten können.
Und vielleicht erkennen wir dann, dass Heilung niemals nur die Wiederherstellung eines einzelnen Menschen war.
Sondern ein Schritt in der Wandlung der gesamten Menschheit.
Denn wenn der Mensch sich selbst wiederfindet, findet er auch seine Beziehung zur Welt wieder.
Und wenn er wieder mit seiner eigenen Natur verbunden ist, kann er zu dem werden, was er seinem tiefsten Wesen nach immer war:
Ein bewusster Teil der Schöpfung.
Ein Vermittler zwischen Himmel und Erde.
Ein Hüter des Lebens.
Ein Mensch in Wandlung.